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Härtetest

Schreien musst du können und fluchen,
aus vollem Halse, möglichst laut,
ein dickes Fell sei deine Haut,
sonst hast du im Hafen nichts zu suchen.

Sei weder Weichei noch Mimose
und wenn du schmal bist,mach dich breit,
hab einen Arsch in deiner Hose,
und zeige keine Ängstlichkeit.

Komm raus aus deinen Filzpantoffeln,
trink morgens schon ´ne Buddel Schluck,
verstärke deinen Händedruck,
und üb zuhaus mit Rohkartoffeln.

Du musst sie drücken und zerquetschen,
bis Wasser aus der Knolle tritt,
dabei musst du die Zähne fletschen,
so machst du dich für´n Hafen fit.

Lass mich mal deine Muckis testen!
Bewirb dich besser anderswo,
es wär für dich am allerbesten,

du suchst dir Arbeit im Büro.

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2014
copyright by siegfried schreck©

 

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Taucher Flint

In einer rabenschwarzen Nacht,
da hab ich Margarethe
ohne Erfolg den Hof gemacht,
ich bettelte und flehte.

Ich hab um Liebe fast geweint,
sie war ein hübsches Mädel,
doch sie blieb standhaft und versteint,
und fuhr zurück nach Wedel.

Ich nahm mein Herz, so wie es war,
und warf es in die Elbe,
und als ich es versinken sah,
vermisste ich dasselbe.

Gewiss, ich war vor Liebe blind.
Und gleich am nächsten Morgen
sprach ich mit dem Taucher Flint,
der hat mein Herz geborgen.

Ich kannte ihn, er kannte mich,
wir waren beide schon verschworen,
denn damals ich wöchentlich
mein armes Herz verloren.

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18.9.88

copyright by siegfried schreck©

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 Port-Englisch

This is ouer Port,
so mighty and so big,
so busy and so quick,
my Lady and my Lord.

Wiederaufgebaut
after the Worldwar two,
ging alles wie im Nu,
darauf sind wir proud.

Alles lag hier down,
zerschlagen und kaputt,
the Ships and Docks in Dutt,
kurz- und kleingehaun.

Vollkommen zerstört,
das ganze Leben schwieg,
doch aus der Asche stieg
empor der Phoenix-Bird.

Where do you come from,
Ladies and Gentlemen?
Ach so, aus Ütersen,
be here and welcome.

This is ouer Port
and my Sightseeingtour,
auch Peoples from the Ruhr
sind heut mit an Bord.


To see you is glad,
i hope you understand
my Kauderwelsch-Akzent,
my English is bad.

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1988

copyright by siegfried schreck©

 

 


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Blohm & Voss

Ich fragte um Arbeit nach.
Ich fragte den Boss
der Schiffbauhalle von Blohm & Voss
und ich versprach
ihm monatlich vierzig Überstunden.

Ich habe mich wieder gefunden
im werfteigenen Dress
im Doppelboden
der "Tokio Express"
und robbte mit Schweisselektroden
durch viel Schall und Rauch
auf dem Bauch.

Da lief das Schiff vom Stapel
und ging auf die Reise,
dummerweise
nicht nach Neapel,
sondern an den Ausrüstungskai
von Blohm & Voss,
doch ich genoss
die Seefahrerei
und ging kurzerhand
schwankend an Land
schnurstracks zur
Stempeluhr.
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1986
copyright by siegfried schreck©

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Ran an die Bananen

Am Baumwall, morgens früh um sechs
wartet die Barkasse,
ich trink ne Buddel Bier auf ex
und geh mit der Masse.
Es tanzt und wackelt der Ponton,
jeden Tag dasselbe,
dann schippern wir auch schon davon
über die Frau Elbe.

Der Stauer hat uns eingeteilt
in verschiedne Gruppen,
so fahren wir, fest eingekeilt,
zum Bananenschuppen.
Wir haben heute Luke vier,
ich steh auf der Leiter,
doch der Kollege unter mir
traut sich nicht mehr weiter.

Von oben bis nach unten sind
es gut zwanzig Meter,
ich ruf nach unten: Menschenskind,
geh doch weiter, Peter.
Dann steigt er schliesslich doch hinab
wie ein Kletteraffe,
ich mache unterwegs kurz schlapp,
weil ich zu viel paffe.

Die Ärmel aufgekrempelt und
ran an die Bananen,
in eines Schiffes Untergrund,
wo wir uns verzahnen.
Warum ist die Banane krumm?
Frag ich mich bei Bücken.
Und während meinem Studium
sticht es mir im Rücken.

Wir stapeln hoch, wir stapeln tief,
einer macht ne Schwalbe,
steht wieder auf und lacht sich schief,
dann ist erst mal Halbe.
Wir machen uns im Schiffsbauch breit
und wir tun uns gütlich
am Butterbrot zur Mittagszeit,
das ist urgemütlich.

Am Nachmittag, so gegen drei
holt uns die Barkasse,
da spiel´n wir Skat, ich und noch zwei,
achtzehn, zwanzig, passe.
Die Barkasse schnurrt und schleicht
um die Köhlbrandecke,
ja, morgen müssen wir vielleicht
in die Kaffeesäcke.

1987

copyright by siegfried schreck©