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Wie Bismarck ohne Schwert

Heut ist mir so, ich weiss nicht wie
ich das beschreiben soll,
vielleicht wie eine Melodie
so zwischen Dur und Moll.
Mein Zustand könnte britisch sein,
wo man nur links verkehrt,
heut fühl ich mich so querfeldein
wie Bismarck ohne Schwert.

Heut fühl ich mich so fehl am Platz
wie Mönche auf dem Kiez,
knall´ mir doch einer was vor´n Latz,
ich nehme kaum Notiz
von dem, was um mich vor sich geht,
warum tritt mich kein Pferd?
Ich bin heut irgendwie diskret
wie Bismarck ohne Schwert.

Mir scheint heut vieles gar nicht klar,
mein Blick, der rastlos fliegt,
sucht immerzu nach Altona,
das tief im Nebel liegt.
Da irgendwo ist meine Bank,
die mir das Konto sperrt,
ich fühl mich heut genauso blank
wie Bismarck ohne Schwert.
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1986
copyright by siegfried schreck©
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Musikbox

Frühmorgens um 5 in einer Bar,
ich sitz vor´m Tresen auf einem Hocker,
bin nicht ganz nüchtern und nicht ganz klar,
und hör einen Song von Joe Cocker.

So´n Mist aber auch, ich muß zur Schicht,
wie jeden Morgen die gleiche Leier,
ich würd ja gern, doch jetzt grade nicht,
denn Johnny Cash singt "Ring of Fire".

Mir lag Musik schon immer im Blut,
außerdem hab ich reichlich Promille,
die Musikbox dröhnt und spielt "Hey Jude",
und neben mir sitzt die Sybille.

Ich leg den Arm ganz zärtlich um sie,
wie angefressen guckt schon ihr Macker,
bei diesen Typen weiß man doch nie,
ich glaub ich mach mich lieber vom Acker.

Hier, sagt der Typ,das ist von Goethe,
da kracht seine Faust in mein Gesicht,
draußen beginnt die Morgenröte,
das Beste wird sein, ich geh zur Schicht.

Ein Auge blau und zwei Zähne locker,
eigentlich kann ich gar nichts dafür,
die Musikbox spielt wieder Joe Cocker,
ich spür den Tritt und flieg aus der Tür.

Mein linkes Knie ist komisch verdreht,
darum mach ich mir keine Sorgen,
weil Kummer und Schmerz wieder vergeht,
ich hole tief Luft, dann schluckt mich der Morgen...
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25.11.12
copyright by siegfried schreck©
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Domenica

Die Dame heisst Domenica,
ihr Busen sei gesegnet,
es ist zwar traurig, aber wahr,
Wir sind uns nie begegnet.
Weil; sie schaftt in St. Pauli an
und macht in Sachen Liebe,
und ich nicht weg vom Hafen kann,
weil ich dort Schichten schiebe.

Fast alles, was ich von ihr las,
das hab ich aufgehoben,
ich hab ein Zentimetermass
und würd gern bei ihr oben
in ihrem Zimmer tapeziern,
ich kleistere und kitte,
und schneid schon Bahnen vor im Hirn,
doch ich hab zweite - dritte.

Spät - und Nachtschicht, von fünfzehn Uhr
bis andern Tags um sieben,
Domenica macht auf l´amour,
und ich muß Schichten schieben.
Fängt eine neue Woche an,
dann hab ich erste - zweite,
so daß ich nur noch träumen kann
von ihrer Oberweite.

Die Dame heißt Domenica,
sie mag nach Veilchen duften,
warum ich noch nicht bei ihr war?
Ich muß im Hafen schuften.

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21.8.88

copyright by siegfried schreck©


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Am Schlump

 

Püppchen,

jeder von uns ist allein

und kocht sein eigenes Süppchen,

das soll nicht länger so sein,

es ist doch eh alles doppelt

gemoppelt,

weil wir zwei getrennte Haushalte führen

mit allem drum und dran,

fallen gleich zweimal GEZ-Gebühren

und andere doppelte Kosten an.

 

Diesen Zwängen sollten wir entfliehen

und endlich zusammenziehen,

wir haben zwar nichts auf der Naht,

aber schau mal dies Zeitungsinserat:

Wohnung zu vermieten am Schlump!

Zentral gelegen mit U-Bahnstation,

nur 800 warm, 2 Mieten Kaution,

die fehlenden Möbel hol´n wir auf Pump,

ein Schlafzimmer aus Eichenfurnier

und für die Küche Besteck und Geschirr,

in´s Wohnzimmer kommt ein Mahagonischrank

und eine bequeme Couchgarnitur,

da lege ich mich dann abends lang

schaue fern bis nachts um 1 Uhr,

du trinkst ein Glas Wein

und ich mehrere Gläschen Bier,

danach schläft man so gut ein.

 

Morgen früh gehn wir zu einem Juwelier,

denn es fehlen noch wichtige Dinge,

zum Beispiel Verlobungsringe,

einen Vorrat an Kartoffeln,

Zungenwurst und Blumenkohl,

und vor allem legere Filzpantoffeln,

dann fühlen sich die Füße wohl.

 

Glaub mir,es wird uns blendend gehen

hier am Schlump,

laß uns zur Feier des Tages ein Rump-

steak essen und hast du gesehen,

gleich da vorn ist ein Restaurant,

das ist für seine gute Küche bekannt,

die Portionen recht groß und alles sehr lecker,

und gleich daneben ein Frisör und ein Bäcker,

ein Zentrum für Ärzte,Internist,HNO,

und einen, der gut krank schreibt und so.

Hak dich bei mir unter,

wir gehen mal die Straße runter,

hör nur, wie die Autos und LKW rattern,

und tief in mir drin spür ich ein Flattern,

das sind wohl die Schmetterlinge in meinem Bauch,

spürst du das auch?

3.9.16

 copyright by siegfried schreck©

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Alsterschwan

Würdevolle Majestät,
wie wär´s mit einem Stückchen Brot.
Oh, Sie halten wohl Diät,
aber noch steht mein Angebot.

Majestät, so nehmen Sie,
es ist von einem Dichterling,
scheinbar eingebildet, wie?
Nun gut, Sie Binnenalsterking.

Oder woll´n Sie Kaviar?
Was soll die Wichtigtuerei?
Es sind auch noch Enten da,
in Scharen schwimmen sie herbei.

Majestät, mit Prominenten
tat ich mich schon immer schwer.
Ich mein doch Sie, und nicht die Enten,
nun kommen Sie doch endlich her.

Und fressen Sie aus meiner Hand,
Sie wunderschöner Sonderling,
und sei´n Sie nicht so arrogant,
Sie eitler Binnenalsterking.
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2.10.88
copyright by siegfried schreck©



Schwimmoper

Meine Bildung ist nur gering,
es sei mir daher verziehn,
daß ich achtlos ins Wasser spring,
ohne für Lohengrin
etwas übrig zu haben.
Zu tief ist der Graben,
der unsereins trennt
von Kunst und Kultur.
Ich meine ja nur;
das hier ist ein Bad,
und ich bin hier, um zu schwimmen,
soll doch das Wasser den Grad
meiner Bildung bestimmen.

5.9.88
copyright by siegfried schreck©




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